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Leistung schützt, haben wir gelernt.
Wer gut ist, bleibt. Das klingt nach Erfahrung und Verstand, beides stimmt nicht mehr.
Lange Zeit hat das funktioniert; nicht perfekt, aber brauchbar. Wer geliefert hat, kam weiter, wer sichtbar war, wurde gefragt. Man konnte sich daran halten wie an ein Geländer.
Heute steht das Geländer noch, es führt nur manchmal ins Nichts. Leistung wird gesehen, aber anders gelesen. Sie ist kein Maßstab mehr, eher ein Vorschlag.
Man ist beschäftigt und bleibt gut, verliert immer häufiger aber trotzdem an Gewicht. Die Rolle sieht stabil aus, während sie wegbröckelt.
Kerstin ist so ein Fall. 39, Senior Managerin, immer geliefert. Gute Projekte, gute Zahlen, gutes Netzwerk; ihr System sagt: „Weiter so.“
Gleichzeitig passiert etwas anderes. Projekte entstehen ohne sie, andere rücken nach vorn, neue Themen tauchen auf, als hätten sie schon immer gefehlt. Sabine reagiert richtig. Sie gibt Gas, erhöht den Einsatz, die Präsenz, lernt. Sie optimiert sich - und freut sich, dass es weitergeht. Dass was passiert, die Organisation modernisiert sich.
Sie lernt nur leider am falschen Maßstab.
Sie glaubt, es gehe um Leistung. Das System prüft aber Anschluss; an inzwischen schnell wechselnde neue Scharniere: Nähe zu neuen Machtzentren, Kodierbarkeit als zukunftsrelevant. Die anderen sind nicht besser – sie passen besser. Diejenigen, die langsam rausfallen, sind womöglich High Performer, liegen aber nicht im Evolutionspfad der Firma.
Sabine bleibt stark, sichtbar, beschäftigt, wird aber seltener gebraucht. Zwei Jahre später ist sie immer noch gut, nur nicht mehr naheliegend. Gezogen wird jemand anderes.
Die Frage ist nicht mehr nur, ob du genug leistest. Frag dich, als Fach- und Führungskraft:
Woran würdest du erkennen, dass deine Leistung noch übersetzt wird? Genauer: in den aktuellen Pfad der Wertschöpfung? In die Drift, in der ihr jetzt steht, die sich abzeichnet? Bist du auf diesem Pfad überhaupt gelistet? (Falls nicht, ist deine aktuelle Performance nicht egal, aber zweitrangig. Sie entscheidet nicht über deine Zukunft dort.)
Oder als Coach oder Berater:in:
Woran erkennst du, dass dein gutes, belegbares Kundenerlebnis, das du verlässlich ablieferst, sich für deine Kunden wirksam in deren Umfeld übersetzen lässt? Die Frage: „Können und werden sie das umsetzen?“ war bisher eine recht einfache, unterkomplexe Denkübung für dich (bzw. dein Auftrag). Das hat sich grundlegend geändert. Die meisten können sehr wohl über- und umsetzen (dank deiner guten Arbeit), haben aber in ihrem eigenen Wirkungsradius gar nicht die Umfeldstruktur, die in der Lage wäre, ihr neues Handlungsmuster zu resorbieren. Und das liegt nicht an dir.
Leistung ist kein Beweis mehr, sie ist eine Deutung. Es gibt inzwischen zahlreiche Studien dazu: Hinter Leistung entstehen firmenspezifische Narrative.
Die wichtige Frage lautet deshalb nicht nur: Leiste ich genug? Sondern: Woran würde ich erkennen, dass meine Leistung im aktuellen System überhaupt noch in Relevanz übersetzt wird?
Solange diese Frage offenbleibt, kann sehr viel gute Arbeit auf eine Rolle einzahlen, die bereits an Tragfähigkeit verliert.
Fragen zur eigenen strategischen Früherkennung?
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